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Retatrutid: Nebenwirkungen laut TRIUMPH-1 & Phase-2-Studie

Zuletzt aktualisiert: 10 Min. Lesezeit

Welche Nebenwirkungen zeigt Retatrutid (LY3437943) in den Studien? Die dokumentierten Raten aus TRIUMPH-1 und der Phase-2-Studie, plus Vergleich zu Semaglutid und Tirzepatid. Studienbasiert, mit Quellen.

Retatrutid (Entwicklungsname LY3437943) gilt als einer der wirksamsten Wirkstoffkandidaten zur Gewichtsreduktion – und wird deshalb viel diskutiert. Wer die Substanz einordnen will, sollte die dokumentierten Nebenwirkungen aus den Studien kennen. Dieser Ratgeber fasst die belegten Daten aus der Phase-3-Studie TRIUMPH-1 und der vorausgegangenen Phase-2-Studie zusammen.

Hinweis: Dies ist eine studienbasierte Informationsaufbereitung, keine medizinische Beratung und keine Dosierungsempfehlung. Retatrutid ist ein nicht zugelassenes Prüfpräparat. Entscheidungen zu Gesundheit und Medikamenten gehören in ärztliche Hand.

Was ist Retatrutid?

Retatrutid ist ein Triple-Hormonrezeptor-Agonist: Der Wirkstoff aktiviert gleichzeitig die Rezeptoren für GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid), GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) und Glukagon. Diese Dreifach-Wirkung unterscheidet ihn von Semaglutid (GLP-1) und Tirzepatid (GLP-1 + GIP). Er wird einmal wöchentlich subkutan verabreicht und befindet sich in der klinischen Prüfung durch Eli Lilly.

Welche Nebenwirkungen zeigt die TRIUMPH-1-Studie?

In der Phase-3-Studie TRIUMPH-1 (Dosierungen 4 mg, 9 mg, 12 mg über 80 Wochen) waren die häufigsten Nebenwirkungen gastrointestinal – also den Magen-Darm-Trakt betreffend. Für die höchste Dosis (12 mg) gegenüber Placebo wurden dokumentiert:

NebenwirkungRetatrutid 12 mgPlacebo
Übelkeit42,4 %14,8 %
Durchfall32,0 %13,5 %
Verstopfung26,1 %10,9 %
Erbrechen25,3 %4,8 %

Zusätzlich wurden Atemwegsinfekte der oberen Atemwege und Dysästhesien (Missempfindungen der Haut) häufiger berichtet. Die gastrointestinalen Ereignisse waren laut Studie überwiegend leicht bis mittelschwer und traten vor allem in der Aufdosierungsphase auf.

Waren die Nebenwirkungen in der Phase-2-Studie ähnlich?

Ja. Die vorausgegangene Phase-2-Studie (Jastreboff et al., New England Journal of Medicine 2023) mit 338 Erwachsenen (Dosierungen 1/4/8/12 mg über 48 Wochen) kam zum selben Muster: „Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren gastrointestinal (Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung)"; sie waren dosisabhängig und überwiegend leicht bis mittelschwer. Ein niedrigerer Startwert (2 mg statt 4 mg) milderte sie teilweise ab.

Wie stark war der Gewichtsverlust?

Die Nebenwirkungen stehen einem in den Studien ungewöhnlich hohen Gewichtsverlust gegenüber:

  • TRIUMPH-1 (Phase 3): −28,3 % Körpergewicht (−31,9 kg) unter 12 mg über 80 Wochen. In einer vorab festgelegten Verlängerung auf 104 Wochen erreichten Teilnehmende mit Ausgangs-BMI ≥ 35 unter 12 mg im Schnitt −30,3 %.
  • Phase-2-Studie: −24,2 % unter 12 mg über 48 Wochen gegenüber −2,1 % unter Placebo.

Wie schneidet Retatrutid gegen Semaglutid und Tirzepatid ab?

Die folgende Tabelle stellt die höchsten Dosierungen der jeweiligen Zulassungs- bzw. Phase-3-Studien nebeneinander. Wichtig: Es handelt sich um getrennte Studien mit unterschiedlicher Dauerkein direkter Kopf-an-Kopf-Vergleich.

WirkstoffAngriffspunktStudieMittlerer Gewichtsverlust (höchste Dosis)
SemaglutidGLP-1STEP-1 (68 Wo.)−14,9 % (2,4 mg)
TirzepatidGLP-1 + GIPSURMOUNT-1 (72 Wo.)bis −22,5 % (15 mg)
RetatrutidGLP-1 + GIP + GlukagonTRIUMPH-1 (80 Wo.)−28,3 % (12 mg)

Die Zahlen deuten auf eine rechnerisch stärkere Gewichtsreduktion von Retatrutid hin – ein belastbarer Vorrang lässt sich daraus wegen der fehlenden Direktvergleichsstudie und der unterschiedlichen Studiendauer aber nicht ableiten.

Ist Retatrutid schon zugelassen?

Nein. Retatrutid ist ein Prüfpräparat und weder in der EU noch in Deutschland als Arzneimittel zugelassen. Hersteller Eli Lilly hat angekündigt, eine Zulassungseinreichung (Biologics License Application, BLA) bei der US-Behörde FDA für Anfang 2027 zu planen. Damit gelten für Retatrutid dieselben arzneimittelrechtlichen Grundsätze wie für andere nicht zugelassene Substanzen – die rechtliche Einordnung erläutert unser Ratgeber zur Rechtslage von Research Peptides.

Fazit

  • Häufigste Nebenwirkungen von Retatrutid sind gastrointestinal (Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen), dosisabhängig und meist leicht bis mittelschwer.
  • In TRIUMPH-1 lagen die Raten unter 12 mg deutlich über Placebo (z. B. Übelkeit 42,4 % vs. 14,8 %).
  • Dem steht ein hoher Gewichtsverlust gegenüber (−28,3 % über 80 Wochen).
  • Ein Direktvergleich mit Semaglutid/Tirzepatid fehlt – die Querschnittszahlen sind nur orientierend.
  • Retatrutid ist nicht zugelassen; eine FDA-Einreichung ist für Anfang 2027 angekündigt.

Quellen

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