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Semaglutid vs. Tirzepatid vs. Retatrutid – was die Studien zeigen

Zuletzt aktualisiert: 9 Min. Lesezeit

Semaglutid, Tirzepatid und Retatrutid im Vergleich: Wirkmechanismus, Gewichtsverlust laut STEP, SURMOUNT und TRIUMPH – inklusive des Kopf-an-Kopf-Vergleichs SURMOUNT-5. Studienbasiert.

Semaglutid, Tirzepatid und Retatrutid gehören zur meistdiskutierten Wirkstoffgruppe der Stoffwechselmedizin. Sie wirken alle am Inkretinsystem, unterscheiden sich aber deutlich in Mechanismus und Wirkstärke. Dieser Ratgeber stellt die belegten Studiendaten nebeneinander – inklusive des bislang einzigen direkten Kopf-an-Kopf-Vergleichs.

Hinweis: Dies ist eine studienbasierte Informationsaufbereitung, keine medizinische Beratung und keine Therapieempfehlung. Entscheidungen zu Medikamenten gehören in ärztliche Hand.

Die drei Wirkstoffe im Überblick

Der zentrale Unterschied liegt in der Zahl der aktivierten Hormonrezeptoren:

WirkstoffAngriffspunkteKlasse
SemaglutidGLP-1Einzel-Agonist
TirzepatidGLP-1 + GIPDual-Agonist
RetatrutidGLP-1 + GIP + GlukagonTriple-Agonist

Alle drei werden einmal wöchentlich subkutan verabreicht. Semaglutid und Tirzepatid sind zugelassen; Retatrutid befindet sich noch in der klinischen Prüfung durch Eli Lilly.

Wie viel Gewichtsverlust zeigen die Studien?

Die folgende Tabelle stellt die höchsten Dosen der jeweiligen Zulassungs- bzw. Phase-3-Studien nebeneinander. Wichtig: Es sind getrennte Studien mit unterschiedlicher Dauer und Populationkein Direktvergleich.

WirkstoffStudieDauerMittlerer Gewichtsverlust (höchste Dosis)
SemaglutidSTEP-168 Wo.−14,9 % (2,4 mg)
TirzepatidSURMOUNT-172 Wo.bis −22,5 % (15 mg)
RetatrutidTRIUMPH-180 Wo.−28,3 % (12 mg)

Die Reihenfolge folgt der Zahl der Angriffspunkte: mehr Rezeptoren, rechnerisch mehr Gewichtsverlust. Ein belastbarer Rang lässt sich daraus wegen der unterschiedlichen Studiendesigns aber nicht ableiten.

Der einzige echte Kopf-an-Kopf-Vergleich: SURMOUNT-5

Querschnittsvergleiche zwischen getrennten Studien sind schwach. Für Tirzepatid vs. Semaglutid gibt es jedoch eine direkte Vergleichsstudie: die Phase-3b-Studie SURMOUNT-5.

  • 751 Erwachsene mit Adipositas ohne Typ-2-Diabetes, 72 Wochen
  • Höchste tolerierte Dosen: Tirzepatid 10 oder 15 mg vs. Semaglutid 1,7 oder 2,4 mg
  • Ergebnis: Tirzepatid −20,2 % vs. Semaglutid −13,7 % Körpergewicht (p < 0,001)
  • Auch der Taillenumfang sank stärker (−18,4 cm vs. −13,0 cm)

Damit ist – zumindest zwischen diesen beiden – der Vorteil von Tirzepatid nicht mehr nur eine Querschnittsvermutung, sondern in einer randomisierten Studie belegt. Für Retatrutid fehlt ein solcher Direktvergleich bislang vollständig.

Nebenwirkungen: dasselbe Grundmuster

Über alle drei Wirkstoffe hinweg sind die häufigsten Nebenwirkungen gastrointestinal – Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen. Sie sind dosisabhängig, treten vor allem in der Aufdosierungsphase auf und sind meist leicht bis mittelschwer. In SURMOUNT-5 führten Magen-Darm-Nebenwirkungen unter Semaglutid etwas häufiger zum Therapieabbruch (5,6 %) als unter Tirzepatid (2,7 %).

Die detaillierten Raten für Retatrutid haben wir im Ratgeber zu Retatrutid-Nebenwirkungen aufgeschlüsselt.

Zulassungsstatus

  • Semaglutid: in der EU zugelassen (u. a. Ozempic zur Diabetestherapie, Wegovy zur Gewichtsregulation).
  • Tirzepatid: in der EU zugelassen (Mounjaro).
  • Retatrutid: nicht zugelassen. Prüfpräparat; laut Hersteller ist eine FDA-Zulassungseinreichung für Anfang 2027 geplant.

Für nicht zugelassene Substanzen gelten dieselben arzneimittelrechtlichen Grundsätze wie in unserem Ratgeber zu Research Use Only beschrieben.

Fazit

  • Der Gewichtsverlust steigt in getrennten Studien von Semaglutid → Tirzepatid → Retatrutid an.
  • Der einzige Direktvergleich (SURMOUNT-5) belegt Tirzepatid > Semaglutid (−20,2 % vs. −13,7 %).
  • Für Retatrutid gibt es noch keinen Kopf-an-Kopf-Vergleich – die −28,3 % stammen aus einer eigenständigen Studie.
  • Das Nebenwirkungsprofil ist bei allen drei überwiegend gastrointestinal und dosisabhängig.
  • Semaglutid und Tirzepatid sind zugelassen, Retatrutid ist es (noch) nicht.

Quellen

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