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ACE-031

ActRIIB-Fc-Ligandenfalle (Ramatercept)

Zuletzt aktualisiert:

Was ist ACE-031?

ACE-031 (INN: Ramatercept) ist kein klassisches Peptid, sondern ein rekombinantes Fusionsprotein: die extrazelluläre, ligandenbindende Domäne des Activin-Rezeptors Typ IIB, verknüpft mit dem Fc-Teil von humanem IgG1.

Das Konstrukt wirkt als lösliche Köder- oder Ligandenfalle – es bindet Myostatin und verwandte Liganden im Blut ab, sodass diese den membranständigen Rezeptor nicht mehr aktivieren können. Der Fc-Teil verlängert die Verweildauer im Körper erheblich. Entwickelt wurde es von Acceleron Pharma, zeitweise in Partnerschaft mit Shire, als Medikament gegen Muskelschwund.

Wofür wird ACE-031 erforscht?

  • Duchenne-Muskeldystrophie (Programm abgebrochen)
  • Magermasse und Muskelvolumen
  • Knochendichte (nur Trend)
  • Dopinganalytik / Nachweisverfahren

Wie ist der Forschungsstand?

Evidenzlevel: Phase II.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Wie lang ist die Halbwertszeit?

Mittlere Halbwertszeit 10–15 Tage nach subkutaner Einzelgabe (Attie et al., Muscle Nerve 2013). Der IgG1-Fc-Anteil ist dafür verantwortlich – deshalb die Dosierabstände von mehreren Wochen.

Wie wird ACE-031 in der Forschung angewendet?

Subkutan. In der Phase-I-Studie Einzeldosen von 0,02–3 mg/kg. In der Duchenne-Studie alle 2–4 Wochen subkutan. Es existiert keine zugelassene Dosierung, weil es keine Zulassung gibt.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Myostatin ist die Bremse des Muskelwachstums. Tiere und Menschen mit defektem Myostatin-Gen entwickeln auffällig viel Muskelmasse – das ist der Ausgangspunkt für ein ganzes Feld von Wirkstoffen, die diese Bremse lösen sollen. ACE-031 war einer der am weitesten entwickelten Vertreter.

Statt Myostatin direkt anzugreifen, ahmt ACE-031 dessen Rezeptor nach. Es besteht aus der bindenden Außendomäne des Activin-Rezeptors IIB und einem Antikörper-Fc-Teil. Im Blut fängt es Myostatin ab, bevor es andocken kann. Wichtig für die Einordnung: Der Rezeptor bindet nicht nur Myostatin, sondern auch verwandte Liganden derselben Familie. ACE-031 ist deshalb kein selektiver Myostatin-Blocker, sondern greift breiter in ein Signalsystem ein.

Was am gesunden Menschen gemessen wurde

Die Phase-I-Studie (Attie et al., Muscle Nerve 2013) gab 48 postmenopausalen Frauen eine einzelne subkutane Dosis zwischen 0,02 und 3 mg/kg oder Placebo im Verhältnis 3:1.

In der höchsten Dosisgruppe (3 mg/kg) stieg an Tag 29:

  • die Magermasse des Gesamtkörpers um 3,3 % (DXA, P = 0,03)
  • das Oberschenkel-Muskelvolumen um 5,1 % (MRT, P = 0,03)

Als Nebenwirkung wird Rötung an der Einstichstelle genannt; die Substanz wurde insgesamt als gut verträglich beschrieben. Das ist eine reale, gemessene Wirkung nach einer einzigen Injektion – und zugleich die belastbarste Humanzahl, die es zu ACE-031 gibt.

Warum die Duchenne-Studie abgebrochen wurde

Die eigentliche Zielindikation war die Duchenne-Muskeldystrophie. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Dosissteigerungsstudie erhielten gehfähige Jungen ACE-031 subkutan alle zwei bis vier Wochen (Campbell et al., Muscle Nerve 2017).

Das Ergebnis war zweigeteilt:

Wirksamkeit: nur Trends. Die Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest blieb unter ACE-031 tendenziell erhalten, während sie unter Placebo abnahm – statistisch nicht signifikant. Ebenso Trends bei Magermasse und Knochendichte.

Sicherheit: Die Studie wurde nach dem zweiten Dosisregime gestoppt. Grund waren nicht schwere oder ernste Nebenwirkungen im formalen Sinn – solche traten laut Publikation nicht auf –, sondern Nasenbluten (Epistaxis) und Teleangiektasien, also erweiterte kleine Hautgefäße. Auffällig ist die Art der Ereignisse: Sie betreffen Blutgefäße, nicht Muskeln. Eine gesicherte mechanistische Erklärung dafür findet sich in den hier abgerufenen Publikationen nicht.

Die klinische Entwicklung wurde bereits im Februar 2011 ausgesetzt; 2013 entschieden Acceleron und Shire endgültig, das Programm nicht wieder aufzunehmen. Im Studienregister ClinicalTrials.gov stehen beide Duchenne-Studien bis heute auf „Terminated".

Was das für die Muskel-Community heißt

ACE-031 wird als Research-Peptid für Muskelaufbau gehandelt. Die Datenlage dazu ist dünner, als der Ruf vermuten lässt:

  • Es gibt keine Studie an gesunden Sportlern, keine Trainingsstudie, keinen Kraftvergleich.
  • Die einzige Humandosis mit belegtem Magermasse-Effekt stammt von postmenopausalen Frauen, Einzelgabe.
  • Der Muskelzuwachs in der Duchenne-Studie führte nicht zu einer statistisch belegten funktionellen Verbesserung.
  • Die Gefäßereignisse traten in genau der Population auf, die länger und wiederholt behandelt wurde – Langzeitsicherheit ist damit nicht nur unbekannt, sondern aktiv infrage gestellt.

Der Punkt, der über die Substanz hinausgeht: Mehr Muskelquerschnitt ist nicht dasselbe wie mehr Funktion. Diese Trennung zieht sich durch das gesamte Feld der Myostatin-Hemmer.

Dopingkontrolle

ACE-031 ist im Sport von Bedeutung. Eine Arbeit des Nachweislabors (Sakellariou et al., Scientific Reports 2025) führt Ramatercept als eine von neun untersuchten „Inhibitors of the Activin Receptor Signaling Pathways" und beschreibt ein LC-HRMS/MS-Verfahren zum kombinierten Nachweis. Die Autoren halten fest, dass diese Substanzklasse in den Abschnitten S2 („Peptide hormones, growth factors, related substances and mimetics") und S4 („Hormone and metabolic modulators") der WADA-Verbotsliste geführt wird.

Für Wettkampfsportler heißt das: verboten, und nachweisbar.

Rechtlicher Status (Deutschland)

Keine Zulassung – weder in Deutschland, der EU noch den USA. Es existiert kein laufendes Entwicklungsprogramm. Angebote im Handel sind Research-Chemicals ohne Arzneimittelstandard; Identität, Reinheit und Dosisgenauigkeit sind nicht behördlich überwacht.

Einordnung

ACE-031 ist ein seltener Fall: Der Wirkmechanismus funktioniert beim Menschen nachweislich, gemessen mit DXA und MRT. Gescheitert ist die Substanz nicht an der Wirkung, sondern an zwei anderen Punkten – die Muskelzunahme übersetzte sich nicht in messbare Funktion, und es traten unerwartete Gefäßveränderungen auf, die zum Abbruch führten.

Wer die Substanz heute verwendet, verwendet ein Medikament, das die Entwickler mit vollem Zugang zu allen Studiendaten aufgegeben haben. Das ist die eigentliche Information.

STUDIEN

Welche Studien gibt es zu ACE-031?

WEITERE PROFILE

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