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#93

α-MSH

Alpha-Melanocyte-Stimulating Hormone – Melanocortin-Signalmolekül

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Was ist α-MSH?

Alpha-MSH (α-Melanocyte-Stimulating Hormone) ist ein endogenes 13-Aminosäuren-Peptid (Ac-Ser-Tyr-Ser-Met-Glu-His-Phe-Arg-Trp-Gly-Lys-Pro-Val-NH₂), das durch posttranslationale Spaltung von Pro-Opiomelanocortin (POMC) in der Hypophysenpars intermedia und im Hypothalamus entsteht.

Es ist der natürliche Ligand aller fünf Melanocortin-Rezeptoren (MC1R-MC5R). α-MSH ist der Prototyp der Melanocortin-Familie; die synthetischen Peptide Melanotan I (Afamelanotid), Melanotan II und PT-141 (Bremelanotide) sind davon abgeleitete, pharmakologisch optimierte Analoga.

Wofür wird α-MSH erforscht?

  • Entzündungshemmung (MC1R/MC3R – anti-inflammatory)
  • Neuroprotektive Wirkung
  • Appetit-/Gewichtsregulation (MC4R im Hypothalamus)
  • Pigmentierung und Hautschutz (MC1R)
  • Sexuelle Funktion (MC4R)
  • Autoimmunerkrankungen und Sepsis-Schutz
  • Nierenprotektive Wirkung (ischämische Schädigung)

Wie ist der Forschungsstand?

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Wie lang ist die Halbwertszeit?

Nativ sehr kurz (<10 Minuten). Synthetische stabilisierte Analoga (Melanotan) deutlich länger.

Wie wird α-MSH in der Forschung angewendet?

Kein zugelassenes α-MSH-Therapeutikum. Forschungs-α-MSH: i.v./s.c. in Tierstudien. Klinisch genutzt werden die Analoga: Afamelanotide (Scenesse®) für Erythropoetische Protoporphyrie, Bremelanotide (Vyleesi®) für HSDD. Setmelanotid (Imcivree®) MC4R-Agonist für genetische Adipositas.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

α-MSH ist das endogene Vorläufermolekül der gesamten Melanocortin-Peptid-Familie. Die Entdeckung, dass ein einziges Gen (POMC) durch gewebespezifisches Splicing und posttranslationale Modifikation völlig unterschiedliche Peptidhormone produziert (α-MSH, ACTH, β-Endorphin), war ein Paradigmenwechsel der Molekularbiologie.

Das α-MSH-System ist eines der ältesten regulatorischen Systeme in der Evolution und findet sich in Wirbeltieren und Wirbellosen gleichermaßen. Die breite Rezeptorverteilung (MC1R in Haut, MC3R/MC4R in Hypothalamus, MC5R in Schweißdrüsen) erklärt die vielfältigen physiologischen Funktionen.

Wirkmechanismus

  • MC1R (Melanozyten): Pigmentierung, Hautschutz gegen UV, Entzündungshemmung
  • MC3R (Hypothalamus, Immunzellen): Anti-inflammation, Energiehomöostase
  • MC4R (Hypothalamus): Appetithemmung, Energieverbrauch↑, Sexualfunktion
  • Anti-Inflammatorisch: Hemmung von NF-κB, Reduktion von TNF-α, IL-1β, IL-6
  • Sepsis-Schutz: α-MSH reduziert lethale Endotoxämie in Tiermodellen
  • Nierenprotektiv: MC1R-Aktivierung schützt proximale Tubuluszellen vor ischämischer Schädigung

Klinisch genutzte Analoga

AnalogonRezeptorIndikationStatus
Afamelanotide (Scenesse®)MC1RErythropoetische ProtoporphyrieZugelassen
Bremelanotide (Vyleesi®)MC4RHSDD (weibliche Libidostörung)Zugelassen
Setmelanotide (Imcivree®)MC4RPOMC/LEPR-Defizienz-AdipositasZugelassen
Melanotan IIMC3/4R(Research only)Nicht zugelassen

Einschränkungen

Natives α-MSH ist wegen seiner kurzen Halbwertszeit therapeutisch kaum nutzbar. Die klinisch relevante Geschichte spielt sich über die synthetischen Analoga ab, von denen mehrere zugelassen sind.

STUDIEN

Welche Studien gibt es zu α-MSH?

WEITERE PROFILE

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