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Biohacking & RegenerationResearch Use OnlyProfil #262
#262

ARA-290

Cibinetide – EPO-Helix-B-Peptid

Zuletzt aktualisiert:

Was ist ARA-290?

ARA-290 (INN: Cibinetide) ist ein synthetisches Peptid aus 11 Aminosäuren, das aus der Helix-B-Oberflächenregion des Hormons Erythropoetin (EPO) abgeleitet wurde.

Es wurde von Michael Brines und Anthony Cerami bei Araim Pharmaceuticals entwickelt, um den gewebeschützenden, entzündungshemmenden Signalweg von EPO zu aktivieren, ohne die Blutbildung anzuregen. Angriffspunkt ist der sogenannte Innate Repair Receptor (IRR) – ein Heterokomplex aus EPO-Rezeptor und beta-common-Rezeptor (CD131), der sich vom klassischen, erythropoetischen EPO-Rezeptor unterscheidet.

Wofür wird ARA-290 erforscht?

  • Small-Fiber-Neuropathie (Sarkoidose)
  • Neuropathischer Schmerz
  • Nervenregeneration
  • Entzündungsmodulation
  • Diabetisches Makulaödem (Pilot)

Wie ist der Forschungsstand?

Evidenzlevel: Phase II.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Wie lang ist die Halbwertszeit?

Pharmakokinetik beim Menschen ist nur begrenzt publiziert. In klinischen Studien wurde ARA-290 einmal täglich subkutan bzw. im Pilot mehrmals wöchentlich intravenös dosiert; die gewebeschützenden Effekte über den Innate Repair Receptor sollen laut Herstellerkonzept länger anhalten als die Plasmapräsenz. Eine präzise Halbwertszeit ist aus den abgerufenen Quellen nicht belegbar.

Wie wird ARA-290 in der Forschung angewendet?

In Studien subkutan (1, 4 oder 8 mg täglich über 28 Tage) oder intravenös (2 mg, dreimal wöchentlich über 4 Wochen im Pilot). Es existiert keine zugelassene oder etablierte Dosierung für die Anwendung am Menschen.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

ARA-290, unter dem internationalen Freinamen Cibinetide geführt, entstand aus der Beobachtung, dass Erythropoetin (EPO) neben der Blutbildung auch stark gewebeschützende und entzündungshemmende Effekte hat – diese aber therapeutisch kaum nutzbar sind, weil hohe EPO-Dosen das Thrombose- und Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen. Die Forscher Michael Brines und Anthony Cerami isolierten die für den Schutzeffekt verantwortliche Region des EPO-Moleküls (die Helix-B-Oberfläche) und bildeten daraus ein kurzes 11-Aminosäuren-Peptid. Die Entwicklung erfolgte bei der Firma Araim Pharmaceuticals.

Der entscheidende Punkt: ARA-290 stimuliert die Erythropoese (rote Blutkörperchen) nicht und umgeht damit die kardiovaskulären Risiken von EPO.

Wirkmechanismus

EPO wirkt über zwei unterschiedliche Rezeptoren:

  • den klassischen, homodimeren EPO-Rezeptor (EPOR/EPOR), der die Blutbildung antreibt
  • den Innate Repair Receptor (IRR) – einen Heterokomplex aus EPO-Rezeptor und beta-common-Rezeptor (CD131)

ARA-290 wurde so konstruiert, dass es selektiv den IRR aktiviert, nicht den erythropoetischen Rezeptor. Über diesen Weg werden gewebeschützende, antiinflammatorische und – so die Studienhypothese – nervenregenerierende Signalwege angesprochen. Der Mechanismus ist molekular gut beschrieben; entscheidend für die Bewertung ist jedoch, ob sich daraus belegbarer klinischer Nutzen ergibt.

Was die Forschung untersucht

Anders als viele reine „Research Peptides" hat ARA-290 tatsächlich kontrollierte Humanstudien durchlaufen – überwiegend bei Small-Fiber-Neuropathie im Rahmen von Sarkoidose:

  • Pilotstudie (Heij et al., 2012): randomisiert, doppelblind, 22 Sarkoidose-Patienten mit Small-Fiber-Neuropathie, ARA-290 2 mg intravenös dreimal wöchentlich über 4 Wochen.
  • Phase-II-Studie (u. a. Culver et al., 2017): doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 64 Patienten mit schmerzhafter Sarkoidose-Neuropathie; subkutan 1, 4 oder 8 mg oder Placebo über 28 Tage. In der 4-mg-Gruppe wurde eine signifikante Zunahme der kornealen Nervenfaserfläche gegenüber Placebo berichtet – ein Behandlungseffekt von etwa 23 % gegenüber dem Ausgangswert – begleitet von Verbesserungen bei Schmerz und funktioneller Kapazität.
  • Diabetisches Makulaödem (Phase-II-Pilot, 2020): kleine Studie mit 9 Patienten, 4 mg subkutan täglich über 84 Tage. Die primären Wirksamkeitsendpunkte (Sehschärfe, zentrale Netzhautdicke) wurden nicht klar verbessert; berichtet wurden ein gutes Sicherheitsprofil, keine schweren Nebenwirkungen und keine Anti-Drug-Antikörper.

Was wir nicht wissen

Trotz echter Phase-II-Daten bleibt die Evidenzlage begrenzt:

  • Keine Phase-III-Bestätigung: Es wurde keine große, multizentrische Phase-III-Studie abgeschlossen. Araim Pharmaceuticals hat den Betrieb eingestellt.
  • Kleine Fallzahlen: Die vorliegenden Studien umfassen zweistellige Teilnehmerzahlen – ausreichend für Signale, nicht für gesicherte Wirksamkeit.
  • Enges Indikationsspektrum: Die belastbarsten Daten stammen aus einem seltenen Krankheitsbild (Sarkoidose-Neuropathie); eine Übertragung auf allgemeine „Nervenreparatur", Longevity oder Leistungssteigerung ist nicht belegt.
  • Langzeitsicherheit bei wiederholter Anwendung über Monate/Jahre ist nicht untersucht.

Wichtige Hinweise

  • Keine Zulassung: ARA-290 / Cibinetide ist in keinem Land als Arzneimittel zugelassen.
  • Sicherheitsdaten begrenzt: In den kleinen Studien wurde ARA-290 gut vertragen (häufigste gemeldete Ereignisse in der Makulaödem-Studie: erhöhte Triglyzeride, Kopfschmerzen, Atemwegsinfekte). Das reicht nicht für eine belastbare Aussage zur Sicherheit im breiten Einsatz.
  • Reinheitsrisiko: Als „Research Peptide" verkaufte Ware unterliegt keiner pharmazeutischen Qualitätskontrolle; Kontamination und Fehldosierung sind reale Risiken.
  • Wechselwirkungen: Beim Menschen nicht systematisch untersucht.

Rechtlicher Status (Deutschland)

ARA-290 ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht als Heilmittel vermarktet, verkauft oder am Menschen angewendet werden. Der Vertrieb erfolgt – wie bei anderen Research Peptides – ausschließlich deklariert für Forschungszwecke. Kauf und Besitz durch Privatpersonen bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone; die Anwendung am eigenen Körper ist nicht legal abgesichert.

Für Sportler: Die WADA-Verbotsliste führt unter Kategorie S2 „innate repair receptor agonists" als verbotene Substanzklasse (z. B. asialo-EPO, carbamyliertes EPO). Da ARA-290 gezielt als IRR-Agonist entwickelt wurde, fällt es für Wettkampfsportler unter diese Kategorie – auch wenn es nicht namentlich gelistet ist.

Einordnung

ARA-290 (Cibinetide) hebt sich von vielen Biohacking-Peptiden ab, weil es einen sauber beschriebenen Wirkmechanismus und echte, randomisierte Humanstudien vorweisen kann. Die Signale bei Sarkoidose-bedingter Small-Fiber-Neuropathie – messbare Nervenfaser-Regeneration und Schmerzreduktion – sind wissenschaftlich interessant. Gleichzeitig bleibt die Datenbasis dünn: kleine Studien, ein enges Indikationsgebiet, keine Phase-III-Bestätigung und ein Entwickler, der nicht mehr operativ ist. Die im Peptid-Marketing verbreiteten Versprechen zu allgemeiner Nerven- und Geweberegeneration gehen deutlich über das hinaus, was die aktuelle Evidenz trägt.

STUDIEN

Welche Studien gibt es zu ARA-290?

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