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Bronchogen

Khavinson-Tetrapeptid für die Bronchialschleimhaut – Ala-Glu-Asp-Leu

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Was ist Bronchogen?

Bronchogen ist ein synthetisches Tetrapeptid aus vier Aminosäuren – Alanin, Glutaminsäure, Asparaginsäure, Leucin – und stammt aus dem Forschungsprogramm von Vladimir Khavinson am St.

Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie. Es gehört zur selben Familie wie Cortagen, Vesugen, Pinealon oder Epitalon: kurze Peptide, die nach dem Konzept der „gewebespezifischen Bioregulatoren" in den Zellkern gelangen, an bestimmte DNA-Abschnitte binden und dort die Aktivität gewebetypischer Gene verändern sollen. Bronchogen ist dem Bronchialepithel und dem Lungengewebe zugeordnet. Das US-Patent von 2009 nennt die Sequenz Ala-Glu-Asp-Leu (AEDL), Summenformel C18H30N4O9 als Acetat, Molekülmasse 446,45. Auffällig: Zwei Publikationen derselben Gruppe – Monaselidze 2011 und Khavinson 2014 – schreiben die Sequenz als Ala-Asp-Glu-Leu (ADEL), also mit vertauschten sauren Aminosäuren. Ob das ein Schreibfehler ist oder tatsächlich zwei Isomere untersucht wurden, geht aus den Abstracts nicht hervor.

Wofür wird Bronchogen erforscht?

  • Bronchialepithel: Differenzierung und Genexpression (Zellkultur)
  • COPD-Modell an der Ratte (NO2-Exposition)
  • Lungenfibrose, bakterielle und hyperoxische Lungenschädigung (Ratte, Patent)
  • DNA-Bindung und Chromatin-Stabilität (in vitro)
  • Altersbedingter Funktionsverlust des Bronchialepithels (Zellkultur)

Wie ist der Forschungsstand?

Evidenzlevel: präklinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Wie lang ist die Halbwertszeit?

Nicht bestimmt. In keiner der abgerufenen Quellen findet sich eine pharmakokinetische Messung am Menschen oder Tier. Für ein ungeschütztes Tetrapeptid ist im Plasma mit Minuten zu rechnen – das ist allgemeine Peptidchemie, kein Messwert zu Bronchogen.

Wie wird Bronchogen in der Forschung angewendet?

Keine zugelassene Dosierung. Im Patent erhielten Ratten 0,2 µg/kg intraperitoneal über 7 bis 10 Gaben; Organkulturen reagierten bei 1–10 ng/ml. Das russische Nahrungsergänzungsmittel „Bronchogen" enthält laut Registereintrag 100 µg Peptidkomplex je 0,2-g-Kapsel, empfohlen werden 1–2 Kapseln ein- bis zweimal täglich über einen Monat. Für Injektionslösungen aus dem Research-Handel existiert kein Dosisprotokoll aus einer Studie.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Rechtlicher Hinweis – Research Use Only

Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich Forschungs- und Bildungszwecken. Diese Substanz ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und darf nicht zur Anwendung am Menschen eingesetzt werden. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung.

Hintergrund

Die Khavinson-Bioregulatoren beruhen auf einer einfachen Idee: Aus Organextrakten wurden kurze Peptide isoliert, deren Sequenz bestimmt und dann synthetisch nachgebaut. Jedes dieser Peptide wird einem Gewebe zugeordnet – Cortagen dem Gehirn, Vesugen den Gefäßen, Bronchogen den Bronchien. Der behauptete Mechanismus ist bei allen derselbe: Das Peptid soll in den Zellkern gelangen, an DNA binden und die Ablesung gewebetypischer Gene anstoßen.

Für Bronchogen ist dieser Mechanismus vergleichsweise gut dokumentiert – allerdings ausschließlich in Zellkulturen und im Reagenzglas, und ausschließlich durch die Gruppe um Khavinson selbst.

Was in Zellkulturen gemessen wurde

Die zentrale Arbeit ist Khavinson et al. 2014 in Lung. Untersucht wurden Kulturen menschlichen embryonalen Bronchialepithels in der 1., 7. und 14. Passage – die späten Passagen gelten als „gealtert". Ergebnisse laut Abstract:

  • Das Peptid veränderte die Spiegel der Proteine Ki67, Mcl-1, p53, CD79 und NOS-3. Der stärkste proliferationsfördernde Effekt über Ki67 und Mcl-1 zeigte sich in den alten Kulturen.
  • Es regulierte Gene, die für die Differenzierung des Bronchialepithels stehen: NKX2-1, SCGB1A1, SCGB3A2, FOXA1 und FOXA2.
  • Es aktivierte MUC4, MUC5AC und SFTPA1 – Gene, deren verminderte Expression mit gestörter Lungenentwicklung korreliert.
  • Spektrophotometrie, Viskosimetrie und Zirkulardichroismus zeigten eine direkte Peptid-DNA-Wechselwirkung mit Bindung in der großen Furche am N7 des Guanins.

Schon 2012 hatte dieselbe Gruppe (Bull Exp Biol Med) berichtet, dass Bronchogen in gealterten Bronchialkulturen die Expression der Transkriptionsfaktoren Hoxa3, CXCL12 und WEGC1 gewebespezifisch anregte, mit deutlicherem Effekt in alten als in jungen Kulturen. Eine Übersicht von Ashapkin et al. 2015 ordnet das als epigenetische Regulation ein.

Was in keinem dieser Abstracts steht: die eingesetzte Konzentration. Wer die Zahlen nachvollziehen will, braucht die Volltexte.

Ein physikalischer Befund kommt hinzu: Monaselidze et al. 2011 zeigten, dass das Peptid die Schmelztemperatur von Kalbsthymus- und Mausleber-DNA um 3,1 °C anhob (bei Peptid-zu-DNA-Verhältnissen von 0,01 bis 0,055). Das belegt eine Bindung an DNA – nicht, dass daraus in einer lebenden Lunge etwas folgt.

Tierversuche

COPD-Modell (Ratte). Kuzubova et al. 2015 erzeugten bei Ratten durch 60-tägige intermittierende Stickstoffdioxid-Exposition ein COPD-ähnliches Bild. Nach einem Monat Bronchogen-Gabe waren laut Abstract die typischen Umbauzeichen verschwunden: Becherzell-Hyperplasie, Plattenepithel-Metaplasie, lymphozytäre Infiltration und Emphysem; die Flimmerzellen waren wiederhergestellt. Die Produktion von sekretorischem IgA stieg, Zellbild und Zytokinprofil in der bronchoalveolären Lavage normalisierten sich. Titova et al. 2017 ergänzten im selben Modell einen Anstieg von Surfactant-Protein B und einen Rückgang der neutrophilen Entzündung.

Dosis und Applikationsweg nennen beide Abstracts nicht. Die Arbeit von 2017 ist nur auf Russisch erschienen.

Patent-Versuche (Ratte). Das US-Patent von 2009 beschreibt drei weitere Modelle mit jeweils 0,2 µg/kg intraperitoneal:

  • Staphylococcus-aureus-Lungeninfektion: schnellere Ausheilung der Entzündung und Gewebereparatur gegenüber unbehandelten Tieren (7 Tage Behandlung).
  • Bleomycin-Fibrose: Lymphozytenzahl in der Lunge an Tag 30 bei 1,75 ± 0,45 × 10⁶ gegenüber 5,13 ± 0,51 × 10⁶ Zellen in der Kontrolle.
  • Hyperoxie (100 % Sauerstoff, 60 h): Phagozytose-Index an Tag 10 bei 50,8 ± 2,3 gegenüber 27,3 ± 2,7.

Patentdaten sind keine begutachteten Publikationen. Sie zeigen, was der Anmelder gemessen hat, nicht, was unabhängig bestätigt wurde.

Was am Menschen bekannt ist

Nichts Belastbares. Die PubMed-Suche nach dem Peptid liefert keine Humanstudie. Das Patent enthält keine Patientendaten. Im Register ClinicalTrials.gov gibt es keinen Eintrag zu diesem Peptid – der einzige Treffer für „BronchoGen" betrifft einen gleichnamigen Gentest zur Lungenkrebs-Diagnostik, der nichts mit dem Peptid zu tun hat.

Händlerseiten zitieren eine „klinische Studie" mit „68 % Verbesserung der Bronchialdurchgängigkeit bei chronischer Bronchitis". Eine Primärquelle dafür war nicht auffindbar, weder auf PubMed noch in russischen Fachdatenbanken. Bis sie jemand vorlegt, ist die Zahl eine Werbeaussage.

Sicherheit

Aus dem Patent: Bei Mäusen löste eine einzelne intramuskuläre Gabe von 1–5 mg/kg (das Tausendfache der „therapeutischen" Dosis) keine toxischen Reaktionen aus; Ratten vertrugen 90 Tage tägliche Injektion ohne beschriebene Nebenwirkungen; bei Meerschweinchen stieg nach sechs Monaten die Leukozytenzahl, andere Blutwerte blieben unverändert.

Der russische Registereintrag nennt als Gegenanzeigen individuelle Unverträglichkeit, Schwangerschaft und Stillzeit.

Was fehlt: jede Sicherheitsangabe am Menschen, jede Angabe zu Injektionen beim Menschen, jede Langzeitbeobachtung. Ein Peptid, das nach eigener Darstellung Proliferationsmarker wie Ki67 in Epithelzellen hochreguliert, verdient bei Lungenerkrankungen mit Entartungsrisiko eine Frage, die bisher niemand gestellt hat.

Rechtlicher Status

Deutschland / EU / USA: keine Zulassung als Arzneimittel; ein legaler Vertrieb als Nahrungsergänzungsmittel ist nicht bekannt. Angebote sind Research-Chemicals ohne Arzneimittelstandard.

Russland: Als Nahrungsergänzungsmittel „Bronchogen" der Firma-Vita registriert (Gebrauchsanweisung vom 17.10.2012), Kapseln zu 0,2 g mit 100 µg Peptidkomplex. Kein Arzneimittel.

Zur Dopingrelevanz wurden in den abgerufenen Quellen keine Angaben gefunden. Das ist keine Freigabe – die WADA-Liste arbeitet mit offenen Substanzklassen, eine namentliche Nennung ist nicht nötig, um verboten zu sein.

Einordnung

Bronchogen ist innerhalb der Khavinson-Peptide ein besser dokumentierter Fall: Die DNA-Bindung ist physikalisch gemessen, die Genregulation in Bronchialzellen mit konkreten Zielgenen beschrieben, und das Ratten-COPD-Modell zeigt eine Rückbildung von Gewebeschäden. Das ist mehr, als viele Bioregulatoren vorweisen können.

Dagegen steht: Alle Daten stammen aus einem einzigen Institut und dessen Umfeld, keine Arbeitsgruppe außerhalb Russlands hat die Befunde wiederholt, die Sequenz wird in den eigenen Publikationen uneinheitlich angegeben, und es existiert kein einziger Mensch, an dem eine Wirkung dokumentiert wäre. Der Sprung von der Zellkultur zur Kapsel oder Spritze ist hier nicht durch Studien, sondern durch ein Geschäftsmodell überbrückt.

STUDIEN

Welche Studien gibt es zu Bronchogen?

01
Zellkultur (humanes embryonales Bronchialepithel) + in vitro2014

Peptide regulation of gene expression and protein synthesis in bronchial epithelium

Khavinson VKh, Tendler SM, Vanyushin BF, et al. · Lung

02
Zellkultur (gealterte Kulturen)2012

Peptides tissue-specifically stimulate cell differentiation during their aging

Khavinson VKh, Linkova NS, Polyakova VO, et al. · Bull Exp Biol Med

03
Zellkultur / Übersicht2015

Epigenetic mechanisms of peptidergic regulation of gene expression during aging of human cells

Ashapkin VV, Linkova NS, Khavinson VKh, Vanyushin BF · Biochemistry (Moscow)

04
Tierstudie (Ratte, COPD-Modell)2015

Modulating Effect of Peptide Therapy on the Morphofunctional State of Bronchial Epithelium in Rats with Obstructive Lung Pathology

Kuzubova NA, Lebedeva ES, Dvorakovskaya IV, et al. · Bull Exp Biol Med

05
Tierstudie (Ratte, COPD-Modell, russischsprachig)2017

Antiinflammatory and Regenerative Effect of Peptide Therapy in the Model of Obstructive Lung Pathology

Titova ON, Kuzubova NA, Lebedeva ES, et al. · Ross Fiziol Zh Im I M Sechenova

06
In vitro (DNA-Physik)2011

Effect of the peptide bronchogen (Ala-Asp-Glu-Leu) on DNA thermostability

Monaselidze JR, Khavinson VKh, Gorgoshidze MZ, et al. · Bull Exp Biol Med

07
Organkultur (Ratte, russischsprachig)2006

The tissue-specific effect of synthetic peptides-biologic regulators in organotypic tissues culture in young and old rats

Zakutskii AN, Chalisova NI, Ryzhak GA, et al. · Adv Gerontol

08
Patent (Tierversuche, Toxikologie)2009

US-Patent 7,625,870: Peptide substance restoring respiratory organs function

Khavinson VKh, Ryzhak GA, Grigoriev EI, Ryadnova IY · US Patent Office

09
Regulatorischer Eintrag (Russland)2012

Бронхоген – инструкция по применению (russischer Registereintrag als Nahrungsergänzungsmittel)

RLS / Firma-Vita · rlsnet.ru

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

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