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Setmelanotid

Imcivree® – MC4R-Agonist für genetische Adipositas

Zuletzt aktualisiert:

Was ist Setmelanotid?

Setmelanotid (RM-493, Imcivree®) ist ein synthetisches zyklisches Heptapeptid, das als selektiver MC4R-Agonist wirkt.

Es wurde von Rhythm Pharmaceuticals entwickelt. MC4R (Melanocortin-4-Rezeptor) ist die finale Stufe der POMC-Melanocortin-Sättigungskaskade im Hypothalamus: POMC-Neuronen werden durch Leptin aktiviert, produzieren α-MSH, das MC4R auf paraventrikuären Neuronen aktiviert → Sättigungsgefühl und Energieverbrauch. Mutationen in POMC, PCSK1 (prozessiert POMC zu α-MSH) oder LEPR (Leptin-Rezeptor) blockieren diese Kaskade und verursachen schwere Adipositas ab Kindheit. Setmelanotid überbrückt diesen Defekt durch direkte MC4R-Aktivierung.

Wofür wird Setmelanotid erforscht?

  • POMC-Defizienz-Adipositas (Monogen)
  • PCSK1-Defizit-Adipositas
  • Leptin-Rezeptor-Defizit-Adipositas
  • BBSOA (Bardet-Biedl-Syndrom)
  • Alström-Syndrom
  • Allgemeine Adipositas (andere MC4R-assoziierte Formen)

Wie ist der Forschungsstand?

Evidenzlevel: klinisch.

Eigenständige Verifizierung empfohlen.

Wie lang ist die Halbwertszeit?

Im Plasma ca. 11 Stunden. Einmal täglich subkutane Injektion.

Wie wird Setmelanotid in der Forschung angewendet?

2–3 mg s.c. täglich (titration). FDA (2020) und EMA (2021) zugelassen für POMC/PCSK1/LEPR-Defizit-Adipositas. Erweiterung auf Bardet-Biedl-Syndrom 2022.

Vollständiges Profil mit Studienverweisen, Halbwertszeit und Forschungsanwendung – nur für Premium-Mitglieder.

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Verschreibungspflichtiges Medikament

Diese Substanz ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und ausschließlich auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Die Inhalte dieser Seite dienen nur der Information über Forschungsstand und Wirkmechanismus – sie ersetzen keine ärztliche Beratung und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.

Hintergrund

Setmelanotid ist ein Precision-Medicine-Durchbruch: die erste Therapie, die eine spezifische genetische Ursache einer Adipositas kausal behandelt. POMC, PCSK1 und LEPR-Mutationen verursachen schwere frühkindliche Adipositas mit massivem Hungergefühl – diese Kinder haben einen defekten Sättigungs-Signalweg.

Die Idee ist elegant: Wenn die Kaskade an einem bestimmten Punkt unterbrochen ist, kann Setmelanotid downstream von der Unterbrechung ansetzen und MC4R direkt aktivieren.

Sättigungs-Kaskade und Defektpunkte

Leptin → LEPR → POMC-Neuronen → POMC → PCSK1 → α-MSH → MC4R → Sättigung
  ↑          ↑              ↑              ↑              ↑
 Defekt1   Defekt2       Defekt3         Defekt4     Setmelanotid

Wirkmechanismus

  • MC4R-Aktivierung: Setmelanotid → Gs-cAMP → paraventrikuäre Neuronen → Sättigungssignal und sympathische Aktivierung (Energieverbrauch↑)
  • Unabhängig von Upstream-Defekten: Wirkt direkt auf MC4R, unabhängig von POMC/PCSK1/LEPR-Status
  • Appetit↓: Deutliche Reduktion von Hunger und Essdrang bei POMC/LEPR-defizitären Patienten
  • Gewichtsverlust: ~25% Gewichtsverlust bei Phase-III-Responders über 52 Wochen

Klinische Ergebnisse

Phase III (NEJM 2020):

  • 80% der POMC/LEPR-Patienten verloren ≥10% Körpergewicht
  • Massiver Rückgang des Hungerempfindens
  • Hautpigmentierung (MC1R-Nebeneffekt) bei vielen Patienten

Ausweitung auf genetische Syndrome

Bardet-Biedl-Syndrom (BBS) – eine seltene genetische Erkrankung mit ciliopathischer Adipositas: Setmelanotid 2022 auch hierfür zugelassen (Phase III: 44% mit ≥10% Gewichtsverlust).

Einschränkungen

Nur für spezifische genetische Diagnosen (teures Genetic Screening nötig). Kosten >$500.000/Jahr in den USA. Hautpigmentierung als kosmetische Nebenwirkung. Erektionstörungen und Hyperpigmentierung (MC1R-Aktivierung).

STUDIEN

Welche Studien gibt es zu Setmelanotid?

01
Phase III2026

Setmelanotide in Bardet-Biedl Syndrome: A Case Report

Smith S, et al. · Pediatr Dermatol

02
Review2024

CRTC1 in Mc4r-Expressing Cells Is Required for Peripheral Metabolism and Systemic Energy Homeostasis

Miyamori H, et al. · Diabetes

Hinweis: Wir empfehlen, jede zitierte Studie eigenständig zu prüfen. Aktualität, Methodik und Übertragbarkeit auf den Menschen sollten kritisch bewertet werden.

WEITERE PROFILE

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